Schiffsgeschichte
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Die beiden Stückgutschiffe IGUAPE und YGUAZU wurden von Suisse-Atlantique Société d'Armement Maritime S.A. Lausanne bei der japanischen Werft Mitsubishi Heavy Industries, Shimonoseki, Japan bestellt.

Die IGUAPE war das erste Schiff und wurde am 27.05.1969 an die Eigner abgeliefert und fuhr vorerst unter der Flagge von Liberia (registrierter Eigner: Maranave S.A. Monrovia, Offizielle Nr: 3218, Rufzeichen: 5LAJ).

Das Personalmagazin "Bulletin" der Reederei veröffentlichte einige interessante Baudetails. Pro Schiff wurden 3'300 Tonnen Stahl benötigt und mit 170 Kilometern Schweissnähten und mit 90 Tonnen Schweisselektroden zusammen gebaut. Die verlegten elektrischen Kabel hatten eine Länge von 29 Kilometern. Die verlegten Rohrleitungen erreichten eine Länge von 11.5 Kilometern und 1'100 Ventile wurden eingebaut.

Die IGUAPE war Teilnehmer im internationalen AMVER System der US-Küstenwache (siehe Erklärung weiter unten) und in dieser Eigenschaft wurde sie am 24.03.1970 zur Hilfeleistung aufgefordert. Die IGUAPE befand sich auf der Fahrt von Panama nach Japan, als das Schiff am Morgen zum sinkenden, japanischen Fischkutter ANSHIN MARU NO. 12 gerufen wurde. In der Zwischenzeit flog ein Rettungsflugzeug der US-Air Force von Japan zur Unglücksstelle und zwei Rettungstaucher sprangen mit dem Fallschirm ab. Gegen Abend 18:00 erreichte die IGUAPE die Unglücksstelle und konnte die 15 japanischen Fischer und die beiden Rettungstaucher von einem Rettungsfloss abbergen. Der Fischkutter war inzwischen schon gesunken.

Am 21.01.1974 im Hafen von Chiba, Japan registrierte die Reederei das Schiff auf Schweizer Flagge um und gab ihm den Namen CORVIGLIA mit Heimathafen Bâle, französisch für Basel (registrierter Eigner: Oceana Shipping AG, Register Nr. 90, Rufzeichen: HBDE).

In 1985 verkaufte Suisse-Atlantique die CORVIGLIA an die Firma Guan Guan Shipping Pte. Ltd. Singapore. Das Schiff wurde am 23.04.1985 in Hong Kong an den Käufer übergeben, in GOLDEN WONDER umbenannt und unter der Flagge von Singapore eingetragen (registrierter Eigner: Golden Line Pte. Ltd. Singapore, Rufzeichen: 9VPS, Off. Nr: 383364, BRT: 10'255, NRT: 6617, DWT:16'104). Ab 1986 heisst der Eigner Jinyuan Shipping Pte. Ltd. Singapore (gleiches Management).

Anfangs 1987 wurde die GOLDEN WONDER nach dem Auslaufen aus Singapore als vermisst gemeldet, aber sie tauchte am 08.02.1987 wieder auf und lief in Kaohsiung, Taiwan ein. Zu diesem Zwischenfall sind uns keine weiteren Informationen bekannt.

Im Dezember 1995 an Marco Shipping Agency L.L.C. Dubai (VAE), verkauft und in WONDER umbenannt. Unter der Flagge von Dubai registriert (Offizielle Nr: 3997, Rufzeichen: A6NG). Ein Jahr später an indische Abbrecher verkauft. Das Schiff traf auf seiner letzten Reise am 26.01.1997 in Alang (nördlich von Bombay) ein und wurde bei Rajiv Ship Breakers verschrottet.

SwissShips MB, HPS, Januar 2017

Zusätzliche Informationen und Geschichten

AMVER (Atlantic Merchant Vessel Emergency Reporting)

Ursprünglich ging diese Idee auf die Katastrophe der TITANIC in 1912 zurück, als Schiffe in der Nähe passierten, ohne des Unglückes gewahr zu werden. Aber erst 1958 setzte man das Vorhaben in den USA in die Tat um. Vorerst wurde es als "Atlantic Merchant Vessel Emergency Reporting" System von der US Küstenwache in Betrieb genommen, daher der Kurzname AMVER. Heute nennt sich diese Organisation "Automatic Mutual assistance VEssel Rescue", da sie weltweit agiert.

Schiffe aller Nationen können auf freiwilliger Basis in diesem System mitmachen und rapportieren regelmässig ihre Position, Kurs, Geschwindigkeit etc. an die Zentrale in den Vereinigten Staaten. Im Falle eines Unglückes werden die lokalen SAR-Organisationen (Search And Rescue = Suche und Rettung) und die am nächsten sich befindenden Schiffe benachrichtigt und gebeten Hilfe zu leisten.

AMVER verteilt alle drei Monate das AMVER-Magazin an die beteiligten Reedereien und Schiffe. Auch werden Auszeichnungen für gutes Rapportieren, sowie für gelungene, mutige Rettungsaktionen vergeben, meistens über eine der amerikanischen Botschaften oder Konsulate.

Heute machen über 22'000 Schiffe aus vielen Nationen mit, sogar chinesische Schiffe sind beteiligt. Seit 2000 sind über 2'800 Menschen durch dieses System gerettet worden. Die Schiffe von Suisse-Atlantique nehmen immer noch an diesem Suchsystem teil, auch wenn man in der heutigen Zeit der Satellitenkommunikation und GMDSS an Bord argumentieren kann, dass es wohl ein bisschen in die Jahre gekommen ist, leistet es aber trotzdem noch wertvolle Hilfe. Metrofin in Zürich war ein anderer Teilnehmer von AMVER.

Besonders während der Zeit des "kalten Krieges" haben böse Zungen auch behauptet, der wahre Zweck des Systems wäre die Positionen und die Bewegungen fremder Handelschiffe für den amerikanischen Geheimdienst auszukundschaften. Ob diese Behauptung stimmt, dazu kann sich jeder Leser seine eigne Meinung bilden.

SwissShips HPS, Januar 2017