
Im Jahr 2009 bestellte die Reederei Société d'Armement et de Transport, SOCATRA, in Bordeaux, Frankreich zwei Standard Produkte/Chemikalien Tanker von 7500 Tonnen Tragfähigkeit bei der Werft Taixing Ganghua Ship Industry Co. Ltd., Taixing, Provinz Jiangsu, Volksrepublik China. Nachdem der Bau begonnen wurde, ging die Werft in Konkurs und die AVIC-Dinheng Shipbuilding Co. Ltd übernahm die unfertige Konstruktion.
Am 20.10.2009 wurde der Kiel für das zweite Schiff (IMO-Nr.: 9610341, Bau Nr.: GHCY 7500-08) gelegt und am 01.06.2012 erfolgte der Stapellauf unter dem Namen BERING auf dem Rumpf. Es war vorgesehen, dass eine Firma Gironde SA in Luxemburg den Tanker übernehmen würde. Die ursprünglichen Auftraggeber traten jedoch im laufe des Jahres 2011 vom Bauvertrag zurück.
Offensichtlich gingen dann die Bauarbeiten nur noch langsam voran, und nach einigen Probefahrten im August und September 2012 wurde das Schiff in der Werft aufgelegt. Die Werft registrierte den aufgelegten Tanker aus formellen Gründen am 08.11.2012 unter dem Namen BERING provisorisch unter der Flagge der Marshall Islands über die Schiffsmanagementfirma Global Marine Ship Management Co. Ltd., Hong Kong (Registrierter Eigner: Artis Shippping Development Ltd. Hong Kong, Heimathafen: Majuro, Register Nr.: 4724, Rufzeichen: V7YS6). Das Schiff war in der Bauwerft aufgelegt und hatte während dieser Zeit keine Berechtigung um auf Fahrt zu gehen.
Anfangs 2013 wurde das Schiff von der ABCmaritime Gruppe angekauft, registrierter Eigner ist die San Pietro Schifffahrt AG, Amriswil, Schweiz. Am 02.07.2013 wurde die SAN PIETRO in der Bauwerft übernommen und unter Schweizer Flagge registriert (Register Nr.: 210, Rufzeichen: HBGM). Der kommerzielle und technische Betrieb des Schiffes wird von ABCmaritime in Nyon, Schweiz ausgeführt. Die SAN PIETRO ist ein Doppelhüllentanker der IMO-Klasse 2. Sie hat 6 Paar Ladetanks und 2 Sloptanks mit einem gesamten Fassungsvermögen von 8554 m3 und einer Tragfähigkeit von 7594 mt auf einem Sommertiefgang von 7,20 m. Für weitere technische Details siehe unter SAN PADRE PIO dem Schwesterschiff.
Auf der SAN PIETRO fährt ein Besatzung von 12 Mann, der Kapitän und die Offiziere kommen aus der Ukraine, die Mannschaftsgrade aus den Philippinen. Die erste Reise führte mit einer Ladung Palmöl von den Philippinen nach Barcelona. Es ist vorgesehen, den Tanker vorerst in der Trampfahrt einzusetzten.
SwissShips-HPS, Juli 2013
Am 02.05.2018 in Rotterdam verkauft an Coastal Shipping Ltd. (Management: Coastal Shipping Ltd., Lewisporte Kanada) neuer Name TUVAQ W. und registriert in Majuro auf den Marschall Inseln. Offizielle Nr.: n.a. Neues Rufzeichen: V7FG2.
Am 25.05.2018 in St. John's umgeflaggt unter Kanada Flagge. Heimathafen ist St. John's. Offizielle Nr.: 841683. Rufzeichen: CJD7842.
Zusätzliche Informationen und Geschichten
IMO-Klassen für Chemikalientanker
Die IMO, International Maritime Organisation, ist eine Organisation innerhalb der UNO (United Nations Organisation) mit Hauptquartier in London. Die IMO agiert als Forum um die verschiedenen Seefahrtsgesetze auszuarbeiten, die Konstruktion, Ausrüstung und Betrieb der verschiedenen Typen von Seeschiffen, wie Tanker, Frachter, Passagierschiffe etc. regeln. Diese Gesetze decken die verschiedensten Aspekte der Schifffahrt ab, zum Beispiel SOLAS (Safety Of Life At Sea = Sicherheit des Lebens auf See), MARPOL (Marine Pollution = Gewässerverschmutzung) und STCW (Standards of Training, Certification and Watchkeeping = Standards für Ausbildung, Zertifikate und Wachdienst) nur um einige der Wichtigsten zu nennen. Chemikalientanker müssen auch dem sogenannten IBC-Code (International Code for the Construction and Equipment of Ships carrying Dangerous Chemical Cargoes in Bulk) entsprechen. Der IBC-Code regelt den Transport von gefährlichen und schädlichen, flüssigen Ladungen in Bulk (Massengut).
Gemäss Paragraph 17 des IBC-Code sind die Chemikalientanker in drei Kategorien eingeteilt, gemäss der Gefährlichkeit der transportierten Ladung:
- IMO Type 1: Hochgefährliche Chemikalien
- IMO Type 2: Mittelgefährliche Ladung, Chemikalien und Petroleumprodukte
- IMO Type 3: Nur leichtgefährliche Ladung, Petroleumprodukte und gewisse Chemikalien
Die Einhaltung und Befolgung des IBC-Codes ermöglicht, dass Schiff, Besatzung und Umwelt gegen die von diesen Chemikalien und Petroleumprodukten ausgehenden Gefahren geschützt sind. Gefährliche Ladungen sind auch in einem anderen Regelwerk, dem IMDG-Code (International Maritime Dangerous Goods) spezifiziert. Dieses Handbuch beschreibt die Eigenschaften und Gefahren der einzelnen Güter im Zusammenhang mit dem Seetransport, z.B. Segregation, Feuerbekämpfung, Gesundheitsrisiken, Bekämpfung von Gewässerverschmutzung und teilt die Produkte den Tankertypen zu. Jedes Produkt ist mit einer speziellen UN-Nummer gekennzeichnet (die orangen Nummern die wir auch von den Tanklastwagen her kennen). Um den Transport der Gefahrengüter mit verschiedenen anderen Transportmitteln zu vereinfachen, entspricht dieses Regelwerk gleichartigen Regelwerken für die Binnenfahrt (ADN), Strassentransport (ADR), Bahntransport (RID) und Luftverkehr (DGR).
Die grossen Rohöltanker gehören nicht zu dieser Kategorie, aber SOLAS und MARPOL, sowie andere Gesetze regeln die Konstruktion (Doppelhülle, Inertgas System, Crude Oil Washing etc) und den Betrieb dieser Schiffe.
Die Anforderungen an die Besatzung sind mit STCW geregelt.
Heute sind die meisten Produkte- und Chemikalientanker vom Type 2. Schiffe vom Type 1 sind wenige und sie sind verhältnismässig klein. Um das Risiko zu vermindern, sind die maximale Grösse der Tanks vorgeschrieben und sie sind meistens aus rostfreiem Stahl. Diese Schiffe sind teuer und hoch spezialisiert, daher auch teuer in Erwerb und Betrieb.
Zum Beispiel einige Chemikalien sind hochgiftig und Besatzungsmitglieder die der unbeabsichtigten Leckage solcher Produkte ausgesetzt wären, könnten schwere gesundheitliche Folgen, unter Umständen sogar den Tod erleiden. Um solche Unfälle zu vermeiden, muss jedes Besatzungsmitglied mit eigenem Notfallatemgerät ausgerüstet sein.
Type 3 Tanker können gemäss Paragraph 17 Ladungen fahren, die ein weniger gefährliches Risiko darstellen, als bei den Typen 1 & 2, daher sind die Konstruktionsanforderungen weniger strikt. Unterschiede bestehen zum Beispiel in den Konstruktionsanforderungen für die Schiffshülle, die Ladetanks und die Tankventilation, sowie unterschiedliche Sicherheitsausrüstung.
Jeder Chemkalientanker, egal welcher Kategorie, muss ein Zertifikat "Certificate of Fitness for the Carriage of Dangerous Chemicals in Bulk" führen. Die Ausstellung dieses Zertifikates hängt vom Design und den Inspektionen an Bord ab. Als Teil des Zertifikates ist eine Liste angefügt, die alle Produkte aufführt, die transportiert werden dürfen.
SwissShips-HPS, Juli 2013